Von einem Hotspot zum andern

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Mitte Oktober verabschieden sich Freunde herzlich von uns und wünschen uns alles Gute auf der Reise nach Brasilien, nach Meinung der europäischen Medien ein von COVID komplett verseuchtes Land.

Mit dem Zug geht es nach Amsterdam, in welchem die Behörden das öffentliche Leben bereits stark einschränken. Restaurants schliessen um 21 Uhr.

Am Flughafen Schiphol warten wenige Leute, der Flughafen Frankfurt, von wo die Reise über den Atlantik startet, ist gespenstisch leer. Das Ehepaar absolviert mehr als 10’000 Schritte auf der Suche nach Ess- und Trinkbarem.

Der Flughafen Guarulhos in Sao Paulo wimmelt bereits um 5 Uhr morgens, ein beträchtlicher Kontrast zu Frankfurt.
Wie verordnet hat das Ehepaar eine Kopie des Trauscheins und die Bestätigung der Krankenkasse, gegen alles Übel überall auf der Welt versichert zu sein, dabei.
Niemand interessiert sich für diese interessanten Dokumente.

Seit März 2020 sind alle Schulen in Brasilien geschlossen, so gut als möglich wird Fernunterricht durchgeführt.

Jeder Bundesstaat hat seine eigenen COVID-Regeln.
In Curitiba im Bundesstaat Parana gilt theoretisch überall Maskenpflicht. Restaurants bleiben am Sonntag geschlossen. Motoboys, welche auf ihren Motorrädern Pizza und Hamburger nach Hause liefern, haben Hochsaison.

Vor der achtstündigen Busfahrt von Curitiba nach Joaçaba wird allen Passagieren die Temperatur am Handgelenk gemessen.

In Joaçaba im Bundesstaat Santa Catarina gilt Maskenpflicht lediglich in Einkaufsläden, Sehr viele Personen tragen Masken auch im Freien. Bis anfangs Dezember ist Personen, welche älter als sechzig sind, verboten den Ortsbus zu benutzen.

Im Bienenhaus bleiben die Masken in Schubladen und Taschen verwahrt. Die Bienenkönigin ist gelassen.

Medienwirksam bekämpfen sich im November der Gouverneur von São Paulo, João Doria, und der brasilianische Präsident, Jair Bolsonaro.
Doria will ab Januar 2021 das Impfobligatorium mittels einem chinesischen Impfstoff in seinem Bundesstaat durchsetzen. Bolsonaro will keinen chinesischen Impfstoff und kein Impfobligatorium.
Anfangs Dezember landet eine SWISS-Maschine mit einigen Tonnen Impfstoff aus China in Sao Paulo, enthusiastisch begrüsst von João Doria. Zufällig ist ein Kamerateam vor Ort.
Einige Tage später entscheidet das höchste Bundesgericht Brasiliens, dass das Impfobligatorium gelten darf.

Ab Mitte Dezember gilt in Parana und in Santa Catarina eine Ausgangssperre zwischen 23 bis 5 Uhr.

Am Strand trifft Mann auf einen Surfer, welcher seine Maske erst beim Aufsteigen auf sein Board ablegt.

Vor der Rückkehr in den Alpenstaat umarmen uns Verwandte und wünschen uns Gesundheit und alles Gute in Europa, in welchem laut den brasilianischen Medien COVID grauenhaft wütet.

Frau und Mann sind glücklich auch die Heimreise unbeschadet überstanden zu haben und auf ausgedehnten Spaziergängen wieder maskenfrei frisch gekühlte Luft einzuatmen.

28. Dezember 2020

1 Kommentar

  • Danke für die Einblicke in den Alltag und die vermittelte Ruhe – ob in Europa oder auf dem südamerikanischen Kontinent – gelassen lebt es sich besser.

    Toller Text, danke Markus!